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Was Hänschen nie erfahren hat

29.10.2010 08:48
Europa/Zürich

Im «Global Gender Gap Report 2010» des World Economic Forums belegt die Schweiz Rang 10. Wir hätten Grund zur Freude. Aber was in den Medien zu lesen war, in den Beiträgen und Kommentaren, ist – Kritik: Männer fühlen sich nun benachteiligt, weisen auf das meist Müttern zugesprochene Sorgerecht und die Dienstpflicht hin. Wie damit umgehen? Wer erst im Erwachsenenalter gewahr wird, dass Geschlechterdiskriminierung existiert, hat Mühe, mit diesem ungewohnten Phänomen umzugehen. Eben, gewohnt ist das Stichwort. Frauen nämlich sind gewohnt. Frauen sind mit Diskriminierung und Vorurteilen aufgewachsen, wir leben damit und haben Strategien entwickelt. Und setzen uns für eine wirkliche Gleichberechtigung ein. Warum soll das die andere Hälfte für sich nicht auch können und tun? Ein paar konkrete Tipps: Tragen Sie Ihre Anliegen nicht nett und verpackt vor. Sie werden sich der Kritik aussetzen, dass Sie Ihre Forderungen halt klar konkretisieren und klipp und klar sagen müssten, was sie überhaupt wollen. Tragen Sie Ihre Forderungen nicht klar konkretisiert und klipp und klar vor. Sie werden sich der Kritik aussetzen, dass Sie ein Frauenhasser und nur auf Konfrontation aus sind. Lassen Sie sich nicht auseinanderdividieren, wenn Frauen Sie in Gruppen aufteilen und gegeneinander ausspielen. Sie sind eine so grosse Gruppe, die nicht homogen sein kann. Werden Sie sich dessen bewusst, lassen Sie Differenzen zu. Stehen Sie dazu, dass Sie nicht erfolgreich in Beruf, Familie und Bett sein können und die Masse eines Mister Schweiz aufweisen. Ihre Partnerin sollte ja Sie als Individuum gern haben, und nicht als Rohmaterial für Verbesserungen betrachten. Und noch ein paar mögliche Stolperfallen – absolute «No goes»: Sollten Sie sich die letzten Jahre immer gegen Quoten ausgesprochen haben mit der Begründung, es komme wirklich nur auf die Befähigung an: Kritisieren Sie die Frauenmehrheit im Bundesrat nicht. Immerhin kommt es in Wirtschaft und Parlament noch immer nur auf die Befähigung an. Sollten Sie sich bereits kritisch gegenüber dem Stimm- und Wahlrecht für alle Erwachsenen geäussert haben, sollten Sie Ihre Kritik bezüglich Dienstpflicht oder AHV-Alter nicht allzu laut öffentlich äussern. Diese Regeln sind älter als Jahrgang 1971. Für Änderungen müssen Sie vielmehr die Männer im Parlament abholen; allenfalls auch parteiübergreifend, sind sie im Nationalrat doch nur etwas über 70, im Ständerat knapp 80 Prozent. Sollten Sie in den letzten Jahren die Kinderbetreuung delegiert haben, tragen Sie Ihre Empörung darüber, dass die Kinder Ihnen nach Auflösung der Beziehung nicht zugesprochen werden, nicht allzu laut öffentlich vor. Und warten Sie mit der Information zu, wer den Nachwuchs bei Ihnen tatsächlich betreuen würde: die Mutter, die Schwester, die neue Partnerin Et voilà, so werden auch Sie Ihre Anliegen mal durchsetzen können. Ich bin überzeugt davon, der Report so etwa im Jahr 2222 wird sicher die stossendsten und offensichtlichsten Diskriminierungen von Männern von heute nicht mehr anführen.

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